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Die Mietrendite ist die eine Zahl, die aus einem Immobilien-Exposé ein Investment macht — oder eben nicht. Unser Rechner ermittelt Brutto- und Netto-Mietrendite samt Kaufpreisfaktor und ordnet das Ergebnis direkt ein: solide, ambitioniert oder teuer. Kaufpreis, Miete und Bewirtschaftungskosten eintragen, fertig. Denn Makler rechnen die Mietrendite gern schön — dieser Ratgeber zeigt, wie du sie ehrlich rechnest und wo die Rendite-Fallen im Kleingedruckten stecken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Brutto-Mietrendite = Jahreskaltmiete ÷ Gesamtkosten (inkl. Nebenkosten!) — die Makler-Zahl.
  • Netto-Mietrendite zieht Verwaltung, Rücklage & nicht umlagefähige Kosten ab — die ehrliche Zahl.
  • Faustregeln: unter 3 % netto trägt sich kaum, ab 4 % wird es interessant.
  • Der Kaufpreisfaktor (Preis ÷ Jahresmiete) ist der schnellste Marktvergleich: bis 22 solide, ab 27 teuer.

So benutzt du den Mietrendite-Rechner

Trage Kaufpreis und die Kaufnebenkosten deines Bundeslands ein (10 bis 12 Prozent — die Aufschlüsselung liefert der Ratgeber Kaufnebenkosten), dazu die realistische Kaltmiete und die laufenden Eigentümer-Kosten: nicht umlagefähige Posten wie Verwaltung plus die Instandhaltungsrücklage. Der Rechner zeigt Brutto- und Netto-Mietrendite, den Kaufpreisfaktor mit Marktbewertung und den Jahresreinertrag. Entscheidender Ehrlichkeits-Check: Rechne mit der Miete, die HEUTE erzielbar ist (Mietspiegel, Vergleichsangebote) — nicht mit der „nach Modernisierung möglichen“ aus dem Exposé.

Brutto vs. Netto: Der Unterschied, der Investments entscheidet

Die Brutto-Mietrendite (Jahreskaltmiete ÷ Kaufpreis) schmückt jedes Exposé — sie ignoriert aber sowohl die Kaufnebenkosten als auch deine laufenden Kosten. Die Netto-Mietrendite rechnet beides ein: Nebenkosten in die Investitionsbasis, Verwaltung, Rücklage und Leerstands-Wagnis in den Ertrag. Der Unterschied ist kein Detail: Aus werblichen 4,1 Prozent brutto werden nach ehrlicher Rechnung schnell 2,8 Prozent netto — und damit aus dem „Top-Investment“ ein Sparbuch mit Reparaturrisiko. Als Vermieter bleiben an dir typischerweise hängen: Verwaltung (250–400 €/Jahr), Instandhaltungsrücklage (je nach Alter 8–15 €/m² jährlich), nicht umlagefähige Betriebskosten und kalkulatorisch 2 bis 4 Prozent Mietausfall-Wagnis.

Rechenbeispiel: Die 250.000-€-Wohnung seziert

Position Wert
Kaufpreis + 10,5 % Nebenkosten 276.250 € Gesamtinvest
Kaltmiete 850 €/Monat 10.200 €/Jahr
Brutto-Mietrendite 3,7 %
− Verwaltung & nicht umlagefähig (1.100 €)
− Rücklage (1.000 €)
8.100 € Reinertrag
Netto-Mietrendite 2,9 %
Kaufpreisfaktor 24,5 — ambitioniert

Ergebnis: kein Fehlkauf, aber auch kein Selbstläufer — bei 2,9 Prozent netto trägt sich das Objekt nur mit Mietsteigerungspotenzial oder Eigenkapital. Genau diese Einordnung liefert dir der Rechner für jedes Exposé in dreißig Sekunden.

Der Kaufpreisfaktor: Preisschild des Markts

Kaufpreis geteilt durch Jahreskaltmiete ergibt den Kaufpreisfaktor — die Zahl, in der Immobilienprofis denken. Er ist der Kehrwert der Bruttorendite (Faktor 25 = 4 Prozent) und macht Objekte über Städte hinweg vergleichbar: Bis 22 gilt als solide bewertet, 23 bis 27 als ambitioniert (Rendite braucht Mietwachstum), ab 28 kaufst du primär Lage-Hoffnung statt Ertrag. In Metropolen sind Faktoren über 30 Alltag — als Kapitalanlage rechnen sich solche Objekte nur über Wertsteigerung, was Spekulation ist, keine Rendite; die regionalen Preisniveaus dokumentiert die Deutsche Bundesbank in ihrem Indikatorensystem. Die Bewertungslogik dahinter vertieft der Ratgeber Immobilienbewertung (Ertragswertverfahren).

Was die Mietrendite NICHT zeigt: Steuern, AfA, Hebel

Die Netto-Mietrendite ist der Anfang, nicht das Ende der Rechnung. Steuern: Mieteinnahmen unterliegen deinem persönlichen Steuersatz — dagegen stehen Abschreibung (AfA: 2 bis 3 Prozent des Gebäudewerts jährlich), absetzbare Zinsen und Kosten; gut strukturiert bleibt die Steuerlast anfangs oft klein. Finanzierung: Kreditzinsen unter der Netto-Mietrendite hebeln deine Eigenkapitalrendite nach oben (Leverage), darüber frisst der Kredit die Rendite — die Rate kalkulierst du im Baufinanzierungsrechner. Verkaufsperspektive: Nach zehn Jahren ist der Gewinn steuerfrei — Details im Ratgeber Immobilie verkaufen. Und ob Immobilie überhaupt dein bestes Investment ist, klärt nüchtern der Mieten-oder-Kaufen-Rechner gegen die Depot-Alternative.

Mietrendite erhöhen: Legale Stellschrauben

Einkaufen statt hoffen: Die Rendite entsteht beim Kauf — verhandelte 10.000 € wirken stärker als jede spätere Mieterhöhung. Nebenkosten drücken: provisionsfrei kaufen, Inventar sauber ausweisen (Grunderwerbsteuer sparen). Miete marktgerecht pflegen: Mietspiegel-Spielräume und Indexmiete nutzen — innerhalb der rechtlichen Grenzen (Kappungsgrenze, Mietpreisbremse). Flächen aktivieren: Keller, Stellplatz, möblierte Vermietung wo passend. Kosten managen: Verwaltung ausschreiben, in der WEG die Hausgeld-Struktur mitgestalten. Nicht empfehlenswert: an der Rücklage sparen — das kauft heutige Rendite mit morgigen Sonderumlagen.

Mietrendite im Bestand: Die jährliche Kontrolle

Auch nach dem Kauf bleibt die Mietrendite deine Steuerungsgröße — mit einem wichtigen Perspektivwechsel: Im Bestand rechnest du gegen den aktuellen Verkehrswert statt gegen den historischen Kaufpreis. Ist die Wohnung deutlich im Wert gestiegen, die Miete aber nicht mitgewachsen, sinkt die Bestandsrendite — und die ehrliche Frage lautet: Halten, Miete marktgerecht anpassen oder verkaufen und umschichten? Diese Opportunitäts-Rechnung einmal im Jahr (fünf Minuten im Rechner mit frischen Zahlen) trennt Vermieter mit Strategie von Vermietern aus Gewohnheit. Dazu gehört auch der Puffer-Check: Deckt der Jahresreinertrag noch Rücklage plus zwei Monatsmieten Ausfallreserve, bleibt das Investment auch im Stressjahr entspannt — und die Mietrendite ist dann nicht nur eine Kennzahl auf dem Papier, sondern gelebte Sicherheit für die nächste Zinsbindungs-Verhandlung mit der Bank.

Häufige Fragen zur Mietrendite

Was ist eine gute Mietrendite?

Netto ab 3,5 bis 4 Prozent wird es interessant, darunter trägt sich das Objekt selten aus eigener Kraft. Brutto-Angaben immer in netto übersetzen — dazwischen liegen typisch 0,8 bis 1,2 Prozentpunkte.

Rechne ich die Mietrendite mit Kalt- oder Warmmiete?

Immer mit der Kaltmiete: Die Nebenkosten-Vorauszahlungen sind durchlaufende Posten des Mieters, keine Erträge. Wer mit warm rechnet, schönt die Rendite um 20 bis 30 Prozent.

Gehören die Kaufnebenkosten in die Rendite-Rechnung?

Ja, zwingend in die Investitionsbasis — sie sind echtes eingesetztes Kapital. Ihr Weglassen ist der häufigste Trick geschönter Exposé-Renditen.

Wie berücksichtige ich Leerstand?

Kalkulatorisch mit 2 bis 4 Prozent der Jahresmiete als Mietausfall-Wagnis (in gefragten Lagen weniger). Einfach der Kosten-Position im Rechner zuschlagen — bei 10.200 € Jahresmiete also 200 bis 400 €. Wer ganz konservativ plant, nimmt zusätzlich eine Monatsmiete als jährliche Neuvermietungs-Reserve für Renovierung und Anzeigen auf.

Ist eine hohe Mietrendite automatisch ein gutes Investment?

Nein — sehr hohe Renditen (6 %+) sind meist Risikoprämien: strukturschwache Lage, Sanierungsstau, schwierige Vermietbarkeit. Rendite ohne Lage-Prüfung ist wie Zins ohne Bonitäts-Blick: Die Zahl allein sagt nichts darüber, ob sie morgen noch erzielbar ist. Prüfe deshalb parallel immer Leerstandsquote der Gegend, Bevölkerungsentwicklung und den Zustand der Mietverträge — eine mittlere Rendite in wachsender Lage schlägt die Spitzenrendite im schrumpfenden Markt fast immer über die Haltedauer.

Fazit: Eine Zahl, dreißig Sekunden, klare Entscheidung

Die Mietrendite trennt Investment von Liebhaberei — wenn sie ehrlich gerechnet wird: Nebenkosten rein, Bewirtschaftung raus, Kaltmiete statt Wunschmiete. Mit Netto-Rendite und Kaufpreisfaktor aus dem Rechner liest du jedes Exposé in Profi-Geschwindigkeit — und verhandelst künftig mit belastbaren Zahlen, wo andere Interessenten nur mit ihrem Bauchgefühl und dem Makler-Prospekt kaufen.

Jens Schreiner
Autor
Jens Schreiner
Jens beschäftigt sich seit dem Studium intensiv mit privaten Finanzen – von Girokonten und Tagesgeld über ETF-Depots bis zu Kreditkarten und Versicherungen. Beruflich in der IT zu Hause, geht er Finanzthemen analytisch und datengetrieben an: Er vergleicht Konditionen im Detail, probiert Kontoeröffnungen und Neukundenangebote selbst aus und übersetzt komplizierte Produkte in verständliche Sprache. Auf Sparnia zeigt er, wie man mit cleveren Vergleichen und Neukundenangeboten bares Geld spart und verdient – unabhängig, transparent und nachvollziehbar.
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