Das Wichtigste in Kürze
- Typklassen ordnen jedes Automodell nach seiner Schadenbilanz ein – sie sind neben der Regionalklasse und der SF-Klasse einer der wichtigsten Preisfaktoren der Kfz-Versicherung.
- Der Versichererverband GDV stuft jährlich rund 33.000 Modelle neu ein; mit den Typklassen 2027 ändert sich die Haftpflicht-Einstufung für mehr als 12 Millionen Autofahrende.
- In der Haftpflicht reichen die Klassen von 10 bis 25, in der Vollkasko von 10 bis 34, in der Teilkasko von 10 bis 33 – je niedriger, desto günstiger.
- Die neuen Typklassen 2027 hat der GDV am 30. September 2026 veröffentlicht – rechtzeitig vor dem Wechselstichtag 30. November.
Warum zahlt dein Nachbar für seinen Kleinwagen die Hälfte dessen, was dich dein SUV kostet – bei gleicher Schadenfreiheitsklasse? Die Antwort liegt oft in den Typklassen. Sie bewerten, wie viel Schaden ein Automodell im Schnitt verursacht, und fließen direkt in deinen Beitrag ein. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Einstufung funktioniert, wo du sie nachschlägst und wann sie ein guter Anlass für einen Tarifwechsel ist – mit den aktuellen Beispielmodellen aus der GDV-Statistik für 2027.
Was Typklassen sind – und wer sie festlegt
Die Typklassen werden vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) berechnet. Die Versicherer liefern dafür ihre Vertrags- und Schadendaten, deren Richtigkeit ein unabhängiger Treuhänder prüft. Ausgewertet werden die Schadenbilanzen fast aller in Deutschland zugelassenen Automodelle über die letzten drei Jahre – für die Typklassen 2027 die Jahre 2023 bis 2025.
Vereinfacht gilt: Verursacht ein Modell im Schnitt wenige und günstige Schäden, bekommt es eine niedrige Klasse. Modelle mit vielen oder teuren Schäden – etwa leistungsstarke SUVs mit teurer Sensorik in der Stoßstange – landen weiter oben.
So berechnet der GDV die Typklassen
Für die Statistik werten die GDV-Statistiker jedes Jahr die Daten fast aller Kfz-Versicherer in Deutschland aus. Für jedes Modell ermitteln sie, wie viele Schäden damit verursacht wurden und wie teuer sie waren – und zwar im Verhältnis zu allen anderen Fahrzeugtypen. Diesen sogenannten Schadenbedarf übersetzt der GDV in eine Klasse. Ändert er sich gegenüber dem Durchschnitt, kann ein Modell auf- oder absteigen.
Gerechnet wird für jede Sparte getrennt. In der Kfz-Haftpflicht zählen die Leistungen für geschädigte Dritte nach Verkehrsunfällen. In die Vollkasko fließen Schäden am eigenen Auto nach selbst verschuldeten Unfällen und zusätzlich alle Teilkasko-Schäden ein. Für die Teilkasko werden nur Teilkasko-Schäden betrachtet, also etwa Diebstähle, Glasschäden, Wildunfälle oder Schäden durch Naturereignisse.
In den Musterbedingungen der Versicherer (AKB) ist das Verfahren aus Sicht des Vertrags beschrieben: Ein unabhängiger Treuhänder ermittelt jährlich, ob und wie stark sich der Schadenbedarf eines Fahrzeugtyps im Verhältnis zu allen Typen verändert hat. Daraus kann sich eine andere Typklasse ergeben, die mit Beginn des nächsten Versicherungsjahres wirksam wird.
Die Spannen: Haftpflicht, Teilkasko, Vollkasko
Für jede der drei Sparten gibt es eine eigene Skala. In der Kfz-Haftpflicht gibt es 16 Typklassen von 10 bis 25, in der Vollkasko 25 Typklassen von 10 bis 34 und in der Teilkasko 24 Typklassen von 10 bis 33.
Dein Auto hat also nicht eine Einstufung, sondern drei. Ein Modell kann in der Haftpflicht günstig eingestuft sein, in der Teilkasko aber teuer – etwa wenn es häufig gestohlen wird oder Glas- und Wildschäden teuer sind. So steht der VW T7 Multivan 2.0 TDI in der Haftpflicht in Klasse 12, in der Teilkasko aber in Klasse 24; die Gründe schlüsselt der GDV nicht auf. Was Teil- und Vollkasko unterscheidet, erklärt der Ratgeber Vollkasko oder Teilkasko.
So stark wirken Typklassen auf den Beitrag
Die Typklasse ist ein Tarifmerkmal unter vielen. Je niedriger die Einstufung, desto günstiger wirkt sie sich auf den Beitrag aus – wie stark, legt jeder Versicherer in seinem Tarif selbst fest. Allein aus einer veränderten Typklasse lässt sich deshalb keine Aussage über den gesamten Beitrag treffen, betont der GDV.
In seinen Statistiken unterscheidet der Verband zehn Risikomerkmale: Regionalklasse, Typklasse, jährliche Fahrleistung, schadenfreie Jahre, Nutzerkreis, Nutzeralter, Fahrzeugalter beim Kauf, Fahrzeughalter, Tarifgruppe und Selbstbeteiligung (GDV: So setzt sich der Beitrag zusammen). Zusammen mit der Regionalklasse deines Zulassungsbezirks und deiner persönlichen Schadenfreiheitsklasse gehört die Typklasse zu den großen Stellschrauben, auf die dein Preis aufbaut.
Neueinstufung 2027: die aktuellen Zahlen
Für 2027 hat der GDV rund 33.000 Modelle auf Basis der Schadenjahre 2023 bis 2025 bewertet. In der Kfz-Haftpflicht rutschen rund 7,4 Millionen Autofahrende in eine höhere Typklasse, rund 5,1 Millionen profitieren von einer niedrigeren Einstufung.
Für die übrigen fast 30 Millionen – 71 Prozent aller Autofahrenden – ändert sich in der Haftpflicht nichts. In der Voll- und Teilkasko behalten 67 Prozent ihre bisherige Typklasse. Häufig geht es nur ein oder zwei Klassen nach oben oder unten: Der VW T7 Multivan 2.0 TDI wird in der Haftpflicht zwei Klassen besser eingestuft, der Mercedes GLC 200 4MATIC in der Vollkasko ebenfalls um zwei Klassen besser.
In der Kasko zählen außerdem Wiederbeschaffungswert, Reparaturkosten und Ersatzteilpreise. Viele günstig zu reparierende Kleinwagen wie Fiat Panda, Renault Twingo oder VW Polo haben deshalb oft niedrige Kasko-Typklassen, verschiedene Modelle der Baureihen Porsche Panamera, Land Rover Range Rover oder Toyota Land Cruiser dagegen hohe.
Typklassen 2027: Modelle mit niedrigen Einstufungen
Der GDV veröffentlicht zu jeder neuen Statistik eine Auswahl typischer Modelle. Die folgende Tabelle zeigt die Beispiele mit niedrigen Einstufungen; in Klammern steht die Veränderung zum Vorjahr, wenn es eine gab.
| Modell | HSN/TSN | Haftpflicht | Vollkasko | Teilkasko |
|---|---|---|---|---|
| Fiat Panda 1.2 | 4136-AXM | 15 (−1) | 11 (−1) | 15 |
| Ford Fiesta 1.2 | 8566-AOP | 15 | 12 | 15 (−1) |
| Mazda 2 1.4 | 7118-ABS | 15 | 11 | 14 |
| Renault Twingo 1.2 | 3333-APL | 14 | 10 | 11 (−1) |
| Škoda Citigo 1.0 | 8004-AMM | 15 (+1) | 11 | 14 (−1) |
| Smart Fortwo Coupé Electric Drive | 1313-CIB | 11 | 10 | 12 |
| VW Polo V 1.4 | 0603-APO | 15 | 12 | 15 (−1) |
Auffällig: Der Smart Fortwo Coupé Electric Drive hat mit Klasse 11 die niedrigste Haftpflicht-Einstufung dieser Auswahl, und zusammen mit dem Renault Twingo 1.2 erreicht er in der Vollkasko die niedrigstmögliche Klasse 10. Quelle der Tabellen ist die GDV-Medieninformation zu den Typklassen 2027 vom 30. September 2026, in die alle vier Auswahl-Tabellen eingebunden sind.
Die Kombination aus HSN und TSN hilft dir, genau dieses Modell in der Abfrage wiederzufinden. Hinter einem Modellnamen stecken oft mehrere Varianten mit unterschiedlicher Motorisierung, und jede Variante hat ihre eigene Einstufung. Vergleiche deshalb immer die Schlüsselnummern aus deiner Zulassungsbescheinigung, nicht nur den Namen.
Typklassen 2027: Modelle mit hohen Einstufungen
Am anderen Ende der Skala stehen große Limousinen, Geländewagen und Sportwagen. Je teurer ein Auto und seine Ersatzteile, desto höher fällt meist die Kasko-Typklasse aus – so formuliert es der GDV selbst als Faustregel.
| Modell | HSN/TSN | Haftpflicht | Vollkasko | Teilkasko |
|---|---|---|---|---|
| Audi A7 Sportback 3.0 TDI quattro | 0588-ATJ | 23 | 28 (−1) | 29 |
| BMW 530d | 0005-CNW | 22 | 28 | 28 |
| Land Rover Range Rover 3.0 TD | 2143-ACE | 24 | 29 (−1) | 30 (−1) |
| Maserati Ghibli/Quattroporte Diesel | 4014-AAW | 23 (+1) | 30 (−1) | 30 (−1) |
| Mercedes S 350 d | 2222-AWQ | 22 (+1) | 29 | 29 |
| Porsche Panamera 4 E-Hybrid 2.9 | 0583-AJS | 23 | 30 (+1) | 29 |
| Toyota Land Cruiser 3.0 D | 5013-AFX | 22 | 29 | 32 |
Der Land Rover Range Rover 3.0 TD liegt in der Haftpflicht mit Klasse 24 nur eine Stufe unter dem Maximum, der Toyota Land Cruiser 3.0 D erreicht in der Teilkasko Klasse 32 von höchstens 33. Zum Vergleich: Der Renault Twingo 1.2 steht in der Vollkasko in Klasse 10, der Porsche Panamera 4 E-Hybrid 2.9 in Klasse 30.
Auf- und Absteiger: wer 2027 die Klasse wechselt
Besonders interessant für Bestandskunden sind die Modelle, deren Einstufung sich ändert. Aus der GDV-Auswahl wurden diese Modelle niedriger eingestuft als im Vorjahr:
| Modell | HSN/TSN | Haftpflicht | Vollkasko | Teilkasko |
|---|---|---|---|---|
| BMW 316i | 0005-BKH | 19 (−1) | 20 (−1) | 20 (−2) |
| Mercedes GLC 200 4MATIC | 2222-BJZ | 18 (−1) | 21 (−2) | 23 |
| Mitsubishi ASX 1.8 DI-D 4WD | 7107-ADB | 19 (−1) | 19 (−1) | 22 (−1) |
| Seat Toledo 1.2 | 7593-AGV | 19 (−1) | 14 (−1) | 16 (−1) |
| Škoda Fabia 1.2 | 8004-AFH | 16 (−1) | 10 (−1) | 12 (−1) |
| Volvo XC60 T8 Hybrid AWD | 9101-BJB | 15 (−1) | 20 (−1) | 22 (−1) |
| VW T7 Multivan 2.0 TDI | 0603-CQJ | 12 (−2) | 21 (−1) | 24 |
Höher eingestuft wurden dagegen unter anderem diese Modelle:
| Modell | HSN/TSN | Haftpflicht | Vollkasko | Teilkasko |
|---|---|---|---|---|
| Audi Q4 35 e-tron | 0588-BZJ | 18 (+1) | 22 (+1) | 21 (+1) |
| BMW 330d Touring xDrive | 0005-CWE | 17 (+2) | 26 | 26 |
| Citroën C4 1.2 | 1889-ACU | 18 (+2) | 18 (+1) | 20 |
| Mercedes CLA 250 e | 2222-ASZ | 17 (+1) | 24 (+1) | 24 (+1) |
| Renault Megane/Scenic E-Tech Electric | 3333-BPN | 17 (+1) | 19 (+1) | 21 (+1) |
| SAIC MG ZS EV | 2180-AAA | 21 (+1) | 21 (+1) | 23 (+1) |
| Škoda Rapid 1.2 | 8004-AMS | 19 (+2) | 14 | 17 |
Unter den Aufsteigern dieser Auswahl sind drei Elektromodelle – Audi Q4 35 e-tron, Renault Megane/Scenic E-Tech Electric und MG ZS EV –, die in allen drei Sparten eine Klasse höher rutschen. Es handelt sich aber um eine Auswahl des GDV, nicht um eine Rangliste aller Modelle. Wo dein eigenes Auto steht, zeigt nur die Typklassenabfrage.
Typklassen 2027: ab wann die neue Einstufung gilt
Die neuen Typklassen hat der GDV am 30. September 2026 veröffentlicht. Die Versicherer können sie ab sofort für Neuverträge anwenden und für bestehende Verträge ab dem nächsten Versicherungsjahr – meist ab dem 1. Januar.
Genau deshalb lohnt sich der Blick jetzt: Steigt dein Modell auf, kann dein Vertrag zum Jahreswechsel teurer werden. Allein aus der Typklasse lässt sich der neue Beitrag aber nicht ablesen – auch Regionalklasse, Fahrleistung und die seit Jahren stärker als die Inflation steigenden Reparaturkosten fließen ein. Mit der neuen Beitragsrechnung beginnt die klassische Wechselsaison bis zum 30. November.
Typklassen nachschlagen: so findest du deine Einstufung
Welche Typklassen dein Versicherer ansetzt, steht in deiner Beitragsrechnung und im Versicherungsschein. Die neue, unverbindliche GDV-Einstufung für 2027 zeigt dir die kostenlose Typklassenabfrage im Internet.
Für die Abfrage brauchst du nur die Herstellernummer (HSN) und Typschlüsselnummer (TSN) aus der Zulassungsbescheinigung Teil I – Felder 2.1 und 2.2. Damit siehst du die Einstufung deines Modells in allen drei Sparten. In den GDV-Tabellen besteht die TSN aus drei Zeichen, zum Beispiel 4136-AXM für den Fiat Panda 1.2.
Alternativ suchst du dein Auto über Marke, Modell, Baujahr, Leistung und Kraftstoff. Die Abfrage mit Stand 30. September 2026 umfasst rund 33.000 Modelle und zeigt die Einstufung mit einer Farbskala: grün für niedrige, rot für hohe Typklassen. Mehrere Modelle lassen sich auf einer Merkliste vergleichen – praktisch vor einem Autokauf.
Wichtig: Die Statistik ist unverbindlich
Die GDV-Statistik ist für die Versicherer unverbindlich. Jeder Versicherer entscheidet selbst, ob und wie er sie in seinem Tarif berücksichtigt – manche Tarife weichen ab.
Das hat eine praktische Folge: Selbst wenn dein Modell hochgestuft wurde, kann ein anderer Anbieter es günstiger kalkulieren. Die Einstufung ist deshalb nie ein Grund zur Panik, sondern ein Anlass zum Vergleichen.
Hochstufung erhalten – was du jetzt tun kannst
Erhöht dein Versicherer wegen der neuen Typklasse den Beitrag, ohne dass sich dein Versicherungsschutz ändert, hast du ein Sonderkündigungsrecht: einen Monat ab Zugang der Mitteilung über die Erhöhung – meist ist das die Beitragsrechnung.
Rechtlich steckt dahinter § 40 des Versicherungsvertragsgesetzes: Der Versicherer muss dir eine Erhöhung spätestens einen Monat vor dem Wirksamwerden mitteilen und dich auf das Kündigungsrecht hinweisen.
Laut den GDV-Musterbedingungen (AKB, Abschnitt J.4) gilt eine Besonderheit: Werden mehrere tarifliche Änderungen gleichzeitig wirksam – etwa eine bessere Regionalklasse und eine schlechtere Typklasse –, besteht das Kündigungsrecht nur, wenn diese Änderungen zusammen den Beitrag erhöhen. Deine jährliche Besserstufung in der Schadenfreiheitsklasse wird dabei nicht gegengerechnet: Das Kündigungsrecht kann also auch bestehen, wenn dein Gesamtbeitrag wegen der besseren SF-Klasse sinkt. Maßgeblich sind die Bedingungen deines Versicherers.
Unabhängig davon gilt die ordentliche Kündigungsfrist: Bei den meisten Kfz-Verträgen mit Ablauf 31. Dezember muss die Kündigung bis zum 30. November beim Versicherer sein. Wie der Wechsel Schritt für Schritt funktioniert, zeigt der Ratgeber Kfz-Versicherung wechseln.
Typklassen vor dem Autokauf prüfen
Der cleverste Zeitpunkt für den Blick in die Statistik ist vor dem Kauf. Zwei ähnlich große Modelle können in unterschiedlichen Typklassen liegen, und dieser Unterschied wirkt sich jedes Jahr auf deinen Beitrag aus – auch wenn sich die Einstufungen mit jeder neuen Statistik um ein oder zwei Klassen verschieben können. Wie groß die Unterschiede sein können, zeigen die GDV-Beispiele: In der Vollkasko steht der Renault Twingo 1.2 in Klasse 10, der Porsche Panamera 4 E-Hybrid 2.9 in Klasse 30 – ein Abstand von 20 Klassen. Die Skala selbst reicht sogar bis Klasse 34.
Gerade Fahranfänger sollten das einplanen: Sie starten ohnehin mit hohen Beitragssätzen, da fällt eine ungünstige Einstufung besonders ins Gewicht. Mehr dazu im Ratgeber Kfz-Versicherung für Fahranfänger.
Praktisch gehst du so vor: Notiere dir HSN und TSN der Modelle, die infrage kommen – bei Gebrauchtwagen stehen sie in der Zulassungsbescheinigung. Lege die Modelle in der Abfrage auf die Merkliste und vergleiche die Klassen der Sparten, die du brauchst: Die Haftpflicht-Klasse zählt immer, denn die Kfz-Haftpflicht ist Pflicht. Für ein älteres Auto mit Teilkasko kommt die Teilkasko-Klasse hinzu, für einen Neuwagen mit Vollkasko die Vollkasko-Klasse. Ein Probeangebot beim Versicherer zeigt anschließend, was die Einstufung in Euro bedeutet.
Typklassen und Regionalklassen: das Duo der Statistik
Parallel zu den Typklassen veröffentlicht der GDV jedes Jahr die Regionalklassen. Sie bewerten die Schadenbilanz deines Zulassungsbezirks: Großstädte schneiden dabei häufig schlechter ab als ländliche Regionen.
Beide Statistiken funktionieren nach demselben Prinzip, betreffen aber unterschiedliche Dinge – das Auto und den Wohnort. Ein Umzug kann deinen Beitrag deshalb genauso verändern wie ein Modellwechsel.
Für 2027 hat der GDV die Regionalklassen bereits am 9. September 2026 veröffentlicht, drei Wochen vor den Typklassen. Auch dort gibt es eigene Skalen je Sparte: 12 Klassen in der Haftpflicht, 9 in der Vollkasko und 16 in der Teilkasko. In der Beitragsrechnung kommen beide Einstufungen zusammen. Ob dein Vertrag zum Jahreswechsel teurer oder günstiger wird, hängt aber zusätzlich von deiner neuen SF-Klasse, deiner Fahrleistung und den Tarifanpassungen deines Versicherers ab.
E-Autos und neue Modelle: Sonderfälle der Einstufung
Ganz neue Modelle haben noch keine eigene Schadenbilanz. Der GDV zieht deshalb unter anderem die Schadenerwartung vergleichbarer Fahrzeuge heran. Für die Vollkasko nutzt er zusätzlich Ergebnisse eines Crashtests, der den Reparaturaufwand für einen durchschnittlichen Unfall im Stadtverkehr zeigt. Sobald echte Schadendaten vorliegen, richtet sich die Einstufung nach ihnen – bei jungen Modellen kann sie sich deshalb in den ersten Jahren noch spürbar verändern.
Pauschal teurer oder günstiger sind E-Autos nicht. Nach einer GDV-Auswertung vom August 2025 sind Vollkasko-Schäden an Elektroautos im Schnitt 15 bis 20 Prozent teurer als bei vergleichbaren Verbrennern, kommen aber 10 bis 15 Prozent seltener vor – der Abstand ist kleiner geworden. Für die Typklassen entscheidend ist das einzelne Modell: Der Smart Fortwo Coupé Electric Drive steht in der Haftpflicht in Klasse 11, der MG ZS EV in Klasse 21.
Ein Tipp für die Abfrage: Maßgeblich ist die Leistung aus den Zulassungsdokumenten. Bei reinen E-Autos ist das die 30-Minuten-Leistung, nicht die in Prospekten genannte kurzzeitige Spitzenleistung; bei Hybriden nur die Leistung des Verbrennungsmotors, nicht die beworbene Systemleistung. Wer nach PS sucht, sollte das berücksichtigen.
Fahrassistenzsysteme: mittelbarer Einfluss
Notbremsassistenten und andere Fahrassistenzsysteme fließen nicht direkt in die Typklasse ein. Sie können aber mittelbar wirken: Verursacht ein Modell dank solcher Systeme weniger oder geringere Schäden, verbessert das über die Jahre seine Schadenbilanz und damit die Einstufung.
Umgekehrt treiben hohe Reparaturkosten und Ersatzteilpreise die Kasko-Bilanz nach oben – und die Reparaturkosten steigen laut GDV seit Jahren stärker als die allgemeine Inflation. Welcher Effekt bei einem Modell überwiegt, zeigt erst die Statistik der Folgejahre.
Beitrag trotz hoher Typklasse senken
An der Einstufung deines Autos kannst du nichts ändern – an fast allem anderen schon. Eine höhere Selbstbeteiligung, jährliche statt monatliche Zahlweise, eine realistische Kilometerangabe und ein fester Fahrerkreis senken den Beitrag spürbar.
Auch ein Telematik-Tarif kann sich für vorsichtige Fahrer rechnen. Wie viel ein Wechsel konkret bringt, überschlägst du mit dem Autoversicherungs-Sparrechner.
Drei Missverständnisse rund um die Einstufung
Erstens: „Die Typklasse bewertet meine Fahrweise.“ Falsch – sie bewertet die Bilanz aller Fahrer deines Modells. Deine persönliche Historie steckt in der SF-Klasse.
Zweitens: „Eine Hochstufung gilt sofort.“ In laufenden Verträgen greift sie in der Regel erst zur Hauptfälligkeit, meist am 1. Januar.
Drittens: „Alle Versicherer rechnen gleich.“ Die GDV-Statistik ist unverbindlich – genau darum lohnt der Kfz-Versicherung-Vergleich nach jeder Neueinstufung.
Häufige Fragen zu Typklassen
Wie oft ändern sich die Typklassen?
Einmal jährlich. Die Einstufungen für 2027 hat der GDV am 30. September 2026 veröffentlicht; für bestehende Verträge können die Versicherer sie ab dem nächsten Versicherungsjahr anwenden, meist ab dem 1. Januar.
Wo finde ich die Typklasse meines Autos?
In der Beitragsrechnung, in den Vertragsunterlagen oder über die kostenlose GDV-Typklassenabfrage – dafür genügen HSN und TSN aus der Zulassungsbescheinigung.
Warum hat mein Auto drei Typklassen?
Weil der GDV Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko getrennt auswertet. Ein Modell kann bei Unfällen mit Dritten unauffällig sein, aber oft gestohlen werden oder teuer in der Reparatur sein – dann unterscheiden sich die drei Klassen deutlich.
Was bedeuten HSN und TSN?
HSN ist die Herstellerschlüsselnummer, TSN die Typschlüsselnummer. Beide vergibt das Kraftfahrt-Bundesamt. Du findest sie in der Zulassungsbescheinigung Teil I in den Feldern 2.1 und 2.2; erst die Kombination identifiziert dein Modell eindeutig (Erklärung bei Die Versicherer).
Kann ich gegen eine Hochstufung widersprechen?
Gegen die Statistik selbst nicht. Erhöht dein Versicherer aber wegen der Hochstufung den Beitrag, kannst du innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung kündigen und zu einem günstigeren Anbieter wechseln – das kann auch gelten, wenn eine bessere SF-Klasse die Erhöhung im Gesamtbeitrag verdeckt.
Was ist eine gute Typklasse?
Je niedriger, desto besser. In der Haftpflicht beginnt die Skala bei 10. In der GDV-Tabelle der niedrig eingestuften Modelle 2027 liegen die Kleinwagen in der Haftpflicht bei 11 bis 15, die Oberklasse- und Geländewagen-Beispiele mit hohen Einstufungen bei 22 bis 24.
Sind Elektroautos günstiger eingestuft?
Pauschal nicht. Der Smart Fortwo Coupé Electric Drive gehört zu den Modellen mit sehr niedrigen Klassen, während drei Elektromodelle 2027 zu den Aufsteigern zählen. Entscheidend ist das einzelne Modell.
Gelten Typklassen auch für Motorräder und Wohnmobile?
Nein, die GDV-Typklassen gelten für Pkw. Für andere Fahrzeugarten nutzen die Versicherer andere Tarifmerkmale.
Quellen & weiterführende Informationen
- GDV-Medieninformation zu den Typklassen 2027 – Zahlen und Modellbeispiele
- GDV: Typklassen kurz erklärt – wie die Einstufung in den Beitrag einfließt
- Die Versicherer – kostenlose Typklassenabfrage nach Marke und Modell oder HSN und TSN
- § 40 VVG – Kündigungsrecht bei Beitragserhöhung
- Pflichtversicherungsgesetz (PflVG) – rechtliche Grundlage der Kfz-Haftpflicht
Fazit: erst nachschlagen, dann vergleichen
Typklassen sind kein Kleingedrucktes, sondern einer der größten Preishebel deiner Kfz-Versicherung – und wie die Regionalklasse ändern sie sich jedes Jahr mit der neuen GDV-Statistik, ohne dass du etwas dazu tust.
Die Routine dazu ist simpel: im Herbst die neue Einstufung prüfen, bei einer Hochstufung die Beitragsrechnung abwarten und vor dem 30. November in Ruhe vergleichen. Wer das jährlich durchzieht, zahlt selten zu viel. Die Grundlagen dazu liefert der Ratgeber Kfz-Versicherung einfach erklärt.
Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Beratung. Maßgeblich sind die Einstufungen deines Versicherers und die jeweils aktuelle GDV-Statistik. Stand: Oktober 2026.

