Das Wichtigste in Kürze
- Die Regionalklassen bewerten die Schadenbilanz aller 413 deutschen Zulassungsbezirke – sie machen deine Kfz-Versicherung je nach Wohnort teurer oder billiger.
- Es gibt 12 Klassen in der Haftpflicht, 16 in der Teilkasko und 9 in der Vollkasko; maßgeblich ist, wo das Auto zugelassen ist – nicht, wo du fährst.
- Der GDV berechnet die Regionalklassen einmal jährlich neu; mit den Regionalklassen 2027 ändert sich die Haftpflicht-Einstufung für fast zehn Millionen Autofahrende.
- Eine schlechtere Einstufung kann ein Anlass zum Tarif-Check sein – regulär kündigen kannst du zum Ende des Versicherungsjahres; endet es am 31. Dezember, muss die Kündigung bis 30. November beim Versicherer sein.
Warum zahlt ein Fahrer in Offenbach für dasselbe Auto deutlich mehr als einer in Brandenburg? Die Antwort liegt in den Regionalklassen: Sie übersetzen die Schadenbilanz deines Zulassungsbezirks in einen Preisfaktor der Kfz-Versicherung. Dieser Ratgeber erklärt, wie die Einstufung funktioniert, wo Deutschland günstig und teuer ist – mit den Werten für 2027 aus Großstädten und Bundesländern – und was du daraus machen kannst.
Was Regionalklassen sind
Regionalklassen sind ein zentraler Tariffaktor der Kfz-Versicherung: Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wertet jedes Jahr aus, wie viele Schäden die Versicherten in jedem der 413 Zulassungsbezirke verursachen und wie teuer diese Schäden waren.
Aus dieser Bilanz entsteht ein Indexwert je Bezirk – der Durchschnitt liegt bei 100. Bezirke mit wenigen, günstigen Schäden bekommen niedrige Regionalklassen, schadenträchtige Regionen hohe.
In der Haftpflicht zählt laut GDV vor allem das Fahrverhalten der Autofahrer im Bezirk: die Zahl der Schäden im Verhältnis zu den dort zugelassenen Fahrzeugen und die durchschnittliche Schadenhöhe. Unfallschwerpunkte können das Schadenaufkommen nach oben treiben. In der Kasko kommen Diebstahlhäufigkeit, Sturm- und Hagelschäden sowie die Zahl der Wildunfälle hinzu.
12, 16 und 9 Klassen: das System
Für jede Versicherungsart gibt es eine eigene Skala: Die Kfz-Haftpflicht kennt 12 Regionalklassen, die Teilkasko 16 und die Vollkasko 9. Klasse 1 ist jeweils die günstigste Einstufung. Für Motorräder gibt es eine eigene, gröbere Regionalstatistik, dazu weiter unten mehr.
Dein Bezirk kann dabei in Haftpflicht und Kasko völlig unterschiedlich abschneiden. Der Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt etwa liegt in der Haftpflicht in Klasse 1, in der Teilkasko aber in Klasse 14. Umgekehrt Bielefeld: Haftpflicht-Klasse 10, aber Teilkasko-Klasse 1 – die bundesweit beste Teilkasko-Bilanz.
Es zählt der Wohnort des Halters
Entscheidend ist der Zulassungsbezirk des Fahrzeughalters – also dein gemeldeter Wohnsitz, nicht dein tatsächliches Fahrgebiet. Der Pendler aus dem Umland zahlt die Regionalklasse seines Landkreises, auch wenn er täglich in die Großstadt fährt.
Ein Umzug kann die Prämie deshalb spürbar verändern: Der Versicherer stuft den Vertrag auf den neuen Bezirk um, sobald du das Auto ummeldest. So steht es auch in den Musterbedingungen der Versicherer (AKB): Maßgeblich ist der Wohnsitz, den die Zulassungsbehörde zum Fahrzeug meldet. Wechselt er, richtet sich der Beitrag ab der Ummeldung nach der neuen Regionalklasse.
Wie groß der Sprung sein kann, zeigt ein Extrembeispiel: Wer von Berlin (Haftpflicht-Klasse 12) in den Landkreis Elbe-Elster (Klasse 1) zieht, wechselt vom einen Ende der Haftpflicht-Skala ans andere. Wie viel das in Euro ausmacht, hängt davon ab, wie stark dein Versicherer die Einstufung gewichtet – ein neues Angebot nach dem Umzug zeigt es.
Regionalklassen in der Haftpflicht
In der Haftpflicht spiegeln die Regionalklassen vor allem Unfallhäufigkeit und Schadenkosten wider. In der Statistik für 2027 hat der Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg mit einem Indexwert von 67,32 die beste Schadenbilanz (Regionalklasse 1). Die schlechteste hat erneut Offenbach in Hessen mit 139,44 (Regionalklasse 12), gefolgt von Gelsenkirchen und Berlin.
Grob gilt: Ländliche Regionen im Norden und Osten schneiden oft gut ab, Großstädte und Ballungsräume schlecht – viel Verkehr bedeutet viele Blechschäden. Der GDV formuliert es so: Besonders Großstädte schneiden häufig schlechter ab als ländliche Regionen. Wo ein Auto zugelassen ist, macht laut Verband für die Schadenbilanz einen erheblichen Unterschied.
Regionalklassen 2027 in den Großstädten
Wie unterschiedlich selbst große Städte eingestuft sind, zeigt die GDV-Übersicht für Großstädte. Die Tabelle nennt die Regionalklassen 2027; ein Pfeil nach oben bedeutet eine höhere Einstufung als im Vorjahr, ein Pfeil nach unten eine niedrigere.
| Stadt | Haftpflicht (1–12) | Vollkasko (1–9) | Teilkasko (1–16) |
|---|---|---|---|
| Berlin | 12 | 9 | 12 |
| Bielefeld | 10 | 2 | 1 |
| Bochum | 10 | 4 | 3 |
| Bonn | 8 | 6 ↑ | 6 ↓ |
| Bremen | 8 ↑ | 5 | 6 |
| Dortmund | 10 | 4 | 4 |
| Dresden | 9 | 4 | 4 |
| Duisburg | 10 | 5 | 6 |
| Düsseldorf | 10 | 6 ↑ | 5 |
| Essen | 12 ↑ | 6 | 6 |
| Frankfurt am Main | 11 | 6 | 3 ↓ |
| Hamburg | 10 | 7 | 6 |
| Hannover | 10 ↑ | 5 ↑ | 3 |
| Karlsruhe | 7 | 5 | 6 |
| Köln | 10 | 7 | 9 |
| Leipzig | 7 | 6 | 8 |
| Mannheim | 10 ↑ | 6 ↑ | 4 |
| München | 10 | 7 | 6 ↓ |
| Münster | 4 | 1 | 1 |
| Nürnberg | 10 ↓ | 4 | 2 |
| Stuttgart | 9 ↑ | 6 | 4 |
| Wiesbaden | 12 | 6 | 4 |
| Wuppertal | 11 | 5 | 3 |
Berlin steht in Haftpflicht und Vollkasko in der jeweils höchsten Klasse, Münster ist mit 4, 1 und 1 die günstigste Großstadt der Liste. In der Haftpflicht wurden Essen, Hannover, Mannheim, Stuttgart und Bremen höher eingestuft, Nürnberg dagegen besser. Quelle ist die Großstadt-Tabelle in der GDV-Medieninformation zu den Regionalklassen 2027. Für Bonn zeigt sie in der Haftpflicht einen Pfeil nach oben; laut den Daten der GDV-Regionalklassenabfrage bleibt Bonn dort aber in Klasse 8, deshalb steht hier kein Pfeil.
Teilkasko und Vollkasko: Diebstahl, Hagel, Wild
In der Teilkasko zählen keine selbst verschuldeten Unfälle, sondern Diebstahl, Glasbruch, Wildunfälle und Naturgefahren. Deshalb führen hier andere Bezirke: In der Statistik für 2027 ist Bielefeld mit Index 61,97 am günstigsten, das Ostallgäu in Bayern mit 228,35 am teuersten – mehr als doppelt so hoch wie der Bundesdurchschnitt.
In der Vollkasko liegt Garmisch-Partenkirchen mit 150,55 am oberen Ende, die Wesermarsch in Niedersachsen mit 79,87 am unteren. Was Voll- und Teilkasko unterscheidet, erklärt der Ratgeber Vollkasko oder Teilkasko.
Wer die Regionalklassen festlegt
Berechnet werden die Regionalklassen vom GDV selbst. Grundlage sind die Daten fast aller Kfz-Versicherer in Deutschland, die der Verband jedes Jahr nach über 400 Zulassungsbezirken auswertet; in den Musterbedingungen der Versicherer (AKB) heißt es zudem, dass ein unabhängiger Treuhänder jährlich ermittelt, ob und wie stark sich der Schadenbedarf einer Region im Verhältnis zu allen Regionen verändert hat; daraus kann sich für deinen Vertrag eine neue Regionalklasse ergeben. Die Einstufung ist für die Versicherer allerdings unverbindlich – sie dient als Orientierung.
Für bestehende Verträge können die Versicherer neue Regionalklassen zur Hauptfälligkeit anwenden – in der Regel ist das der 1. Januar. Für Neuverträge können sie die Werte sofort nutzen.
Regionalklassen 2027: die neue Einstufung im Überblick
Am 9. September 2026 hat der GDV die Regionalklassen 2027 veröffentlicht. In der Haftpflicht verbessert sich die Einstufung für 5,2 Millionen Autofahrende aus 63 Zulassungsbezirken, für 4,8 Millionen aus 46 Bezirken steigt sie. In 304 Bezirken mit mehr als 32 Millionen Autofahrenden bleibt die Haftpflicht-Regionalklasse unverändert.
In der Kasko fallen die Veränderungen gering aus: Rund 33 Millionen Versicherte behalten ihre Regionalklasse, für jeweils rund 2,4 Millionen geht es nach oben beziehungsweise nach unten. Die Versicherer können die neuen Werte ab sofort für Neuverträge nutzen und für bestehende Verträge ab dem nächsten Versicherungsjahr.
Bei den Extremwerten hat sich wenig verschoben – mit einer Ausnahme: In der Teilkasko hat das Ostallgäu Garmisch-Partenkirchen knapp von der Spitze verdrängt. Elbe-Elster verschlechterte sich gegenüber dem Vorjahr um 0,91 Indexpunkte, bleibt aber in Klasse 1. Offenbach legte um 0,3 Punkte zu. In der Vollkasko sank der Wert von Garmisch-Partenkirchen um 2,72 Punkte, in der Teilkasko der des Ostallgäus um 2 Punkte – beide bleiben dennoch in der jeweils höchsten Klasse.
Regionalklassen 2027 nach Bundesländern
Zu jedem Bundesland veröffentlicht der GDV eine eigene Tabelle mit allen Zulassungsbezirken. Die Überschriften der Länderseiten greifen jeweils einen Schwerpunkt für 2027 heraus – in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt hat sich die Einstufung für viele Versicherte verbessert:
- Sachsen: ausschließlich bessere Einstufungen.
- Thüringen: Die Haftpflicht-Regionalklasse sinkt für fast 30 Prozent der Versicherten; in Suhl und Weimar steigt sie.
- Sachsen-Anhalt: Die Regionalklasse sinkt für viele Haftpflichtversicherte.
- Mecklenburg-Vorpommern: bundeslandweit geringe Schadenbilanzen.
- Niedersachsen: Die Schadenbilanz ist oft besser als der Bundesdurchschnitt.
- Schleswig-Holstein: Rund 20 Prozent der Haftpflichtversicherten erhalten neue Regionalklassen.
- Baden-Württemberg: höhere Regionalklassen für die Kaskoversicherung; in der Haftpflicht steigt die Einstufung in 9 der 44 Bezirke, darunter Stuttgart und Mannheim.
- Bremen: In Bremen und Bremerhaven steigt die Haftpflicht-Regionalklasse, in Bremerhaven zusätzlich die Teilkasko.
- Berlin und Hamburg: keine Änderungen.
- Nordrhein-Westfalen: Für die meisten bleibt alles beim Alten.
- Hessen: Offenbach ist der Zulassungsbezirk mit der schlechtesten Schadenbilanz.
Für Bayern, Brandenburg, Rheinland-Pfalz und das Saarland listet der GDV die Bezirke auf, in denen sich etwas ändert – im Saarland etwa für Autofahrende in Sankt Ingbert, die drei neue Regionalklassen bekommen. Die Einstufung deines eigenen Bezirks zeigt die kostenlose Abfrage.
So fragst du die Einstufung deines Bezirks ab
Der GDV stellt jedes Jahr eine kostenlose Abfrage bereit, auf der Verbraucherseite „Die Versicherer“ als interaktive Deutschlandkarte. Du suchst deinen Zulassungsbezirk und siehst die Klassen für Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko samt Indexwerten und der Veränderung zum Vorjahr.
Wichtig ist der richtige Bezirk: Maßgeblich ist der Zulassungsbezirk, in dem das Auto auf den Halter angemeldet ist. Steht im Fahrzeugschein noch dein alter Wohnort, musst du die neue Anschrift unverzüglich der Zulassungsbehörde melden (§ 15 FZV) – sonst rechnet auch der Versicherer mit falschen Daten.
Regionalklassen für Motorräder
Auch für Krafträder gibt es eine Regionalstatistik, allerdings deutlich gröber als beim Auto: Statt 413 Zulassungsbezirken unterscheidet der GDV hier 38 Regionen – etwa Oberbayern oder Köln, aber auch ganze Bundesländer wie Thüringen. Für jede gibt es einen Index und eine Klasse in Haftpflicht, Vollkasko und Teilkasko.
Berlin sticht auch hier heraus: Der Haftpflicht-Index liegt bei 181,78, der Teilkasko-Index sogar bei 661,65 – der mit Abstand höchste Teilkasko-Wert aller 38 Regionen (Klasse 8). Am günstigsten ist die Haftpflicht in der Region Lüneburg mit einem Index von 70,86. In der Teilkasko liegen fünf Regionen in der günstigsten Klasse 1: Stuttgart, Tübingen, Unterfranken, Schwaben und Oberfranken. In der Vollkasko teilen sich Berlin und Hamburg mit einem Index von 191,59 die Spitze. Hohe Teilkasko-Werte haben außerdem die Region Leipzig (213,86), das Bundesland Brandenburg (213,62) und der Regierungsbezirk Köln (205,42), während Hamburg in der Haftpflicht mit 115,63 in Klasse 4 liegt.
Regionalklassen und Typklassen: das Duo der Einstufung
Neben dem Wohnort bewertet die Versicherung auch dein Fahrzeugmodell – über die Typklassen. Beide Faktoren zusammen bestimmen einen großen Teil der Grundprämie, bevor individuelle Merkmale ins Spiel kommen. Die Typklassen für 2027 hat der GDV am 30. September 2026 veröffentlicht: In der Haftpflicht werden rund 7,4 Millionen Autofahrende in eine höhere und rund 5,1 Millionen in eine niedrigere Typklasse eingestuft.
Dazu zählen vor allem die Schadenfreiheitsklassen, die jährliche Fahrleistung, der Fahrerkreis und das Alter der Fahrer. Insgesamt unterscheidet der GDV zehn Risikomerkmale – Regional- und Typklasse eingeschlossen.
Was neben dem Wohnort deinen Beitrag bestimmt
Die Statistiken des GDV zeigen, wie die übrigen Merkmale wirken. Wer weniger Kilometer fährt, verursacht im Schnitt weniger Unfälle und fährt günstiger als ein Vielfahrer. Mit jedem schadenfreien Jahr verbessert sich die Schadenfreiheitsklasse um eine Stufe, und je nach erreichter Klasse werden nach einem Unfall weiterhin schadenfreie Jahre anerkannt.
Beim Nutzerkreis entscheiden sich laut GDV rund drei Viertel der Versicherten dafür, nur sich selbst und gegebenenfalls den Partner ans Steuer zu lassen. Junge und ältere Fahrer verursachen im Schnitt mehr Haftpflicht- und Vollkaskoschäden als Fahrer mittleren Alters; fährt jemand unter 25 mit, zählt in der Regel dessen Alter.
Auch das Fahrzeugalter beim Kauf spielt eine Rolle: Wer einen Neuwagen oder jungen Gebrauchten kauft, verursacht im Schnitt weniger Schäden als Käufer älterer Autos – erst bei Liebhaberstücken ab einem Alter von 23 Jahren dreht sich der Trend wieder um. Landwirte und Beschäftigte im öffentlichen Dienst verursachen etwas weniger Schäden, und eine höhere Selbstbeteiligung macht die Kasko günstiger. Manche Versicherer verlangen außerdem mehr, wenn das Auto nicht in der Garage steht.
Kannst du deine Regionalklasse beeinflussen?
Direkt nicht – die Einstufung hängt am Wohnsitz des Halters. Ein Trick wie die Zulassung bei Verwandten im günstigen Landkreis ist keine gute Idee: Falsche Angaben zu Halter und Wohnsitz können teuer werden: Laut Musterbedingungen gilt dann rückwirkend ab Beginn des Versicherungsjahres der korrekte Beitrag, bei Vorsatz kommt eine Vertragsstrafe hinzu – im Extremfall steht Betrug im Raum.
Legitim ist dagegen, das Auto auf ein Familienmitglied zuzulassen, das dort tatsächlich wohnt und den Wagen auch nutzt – etwa beim Fahranfänger, der das Auto über die Eltern versichert.
Was du außerdem in der Hand hast: Du kannst die Merkmale optimieren, die neben dem Wohnort zählen – Fahrleistung realistisch angeben, den Fahrerkreis begrenzen und eine passende Selbstbeteiligung wählen. Und du kannst Angebote vergleichen, denn jeder Versicherer setzt die Einstufung anders in Preise um.
Schlechter eingestuft: Das kannst du tun
Steigt deine Regionalklasse, wirkt das für sich genommen beitragserhöhend – ob deine Prämie unterm Strich steigt, hängt aber auch von Typklasse, Schadenfreiheitsklasse und der Kalkulation deines Versicherers ab. Ein guter Anlass, den eigenen Tarif zu prüfen, ist es allemal. Denn die Versicherer gewichten die Regionalklassen unterschiedlich stark; ein Anbieterwechsel kann die Verteuerung ausgleichen.
Prüfe zuerst die Beitragsrechnung: Dort siehst du, welche Merkmale sich geändert haben. Hat sich vor allem die Regionalklasse verschlechtert, lohnt ein Vergleich besonders. Vergleiche am besten jährlich im Herbst, bevor die Wechselfrist endet. Wie du dabei vorgehst, zeigt Schritt für Schritt der Ratgeber Kfz-Versicherung wechseln.
Beitragserhöhung: das Sonderkündigungsrecht
Wichtig zu wissen: Eine höhere Regionalklasse allein löst noch kein Sonderkündigungsrecht aus. Das entsteht erst, wenn die tariflichen Änderungen – neue Regionalklasse, Typklasse oder Tarifanpassung – zusammen bei gleichbleibendem Schutz zu einem höheren Beitrag führen. Dann darfst du innerhalb eines Monats nach Zugang der Mitteilung über die Beitragserhöhung kündigen; meist kommt sie mit der Beitragsrechnung.
Die Grundlage ist § 40 des Versicherungsvertragsgesetzes: Erhöht der Versicherer den Beitrag aufgrund einer Anpassungsklausel, muss er dich spätestens einen Monat vorher informieren und auf das Kündigungsrecht hinweisen. Laut den Musterbedingungen (AKB, Abschnitt J.4) zählen dabei nur diese tariflichen Änderungen zusammen: Wird etwa die Regionalklasse schlechter, die Typklasse aber besser, besteht das Recht nur, wenn beide zusammen den Beitrag erhöhen. Deine jährliche SF-Besserstufung wird nicht gegengerechnet – das Kündigungsrecht kann also auch bestehen, wenn dein Gesamtbeitrag sinkt. Maßgeblich sind die Bedingungen deines Versicherers.
Regulär endet das Versicherungsjahr bei den meisten Verträgen zum 31. Dezember; die Kündigung muss bis zum 30. November beim Versicherer sein. Alle Sparhebel bündelt der Kfz-Versicherung-Vergleich.
Den Indexwert richtig lesen
Der Index setzt die Schadenbilanz eines Bezirks ins Verhältnis zum Bundesdurchschnitt von 100: Elbe-Elster mit 67,32 hat also einen rund ein Drittel niedrigeren Schadenbedarf je Fahrzeug als der Schnitt, Offenbach mit 139,44 einen fast 40 Prozent höheren. Laut GDV entspricht der Bundesdurchschnitt 100 in der Haftpflicht der Regionalklasse 6, in der Vollkasko der Klasse 4 und in der Teilkasko der Klasse 7.
Aus den Indexwerten bildet der GDV dann die Klassen – jeder Klasse ist ein fester Indexbereich zugeordnet. Deshalb führt nicht jede kleine Veränderung der Bilanz gleich zu einer Umstufung. Als Lesehilfe: Ein Index von 120 bedeutet einen um 20 Prozent höheren Schadenbedarf je versichertem Fahrzeug als im Bundesschnitt, ein Index von 80 entsprechend 20 Prozent weniger.
Hagel, Wild und Diebstahl: warum Bezirke teuer werden
In die Kasko-Bilanz fließen laut GDV die Diebstahlhäufigkeit, Sturm- und Hagelschäden sowie Wildunfälle ein. Versichert sind in der Teilkasko zum Beispiel Autodiebstähle, Glasschäden, Fahrzeugbrände, Wildunfälle und Unwetterschäden; die Vollkasko deckt zusätzlich selbst verursachte Unfallschäden am eigenen Auto. Auffällig ist, dass die teuersten Kasko-Bezirke 2027 im bayerischen Alpenraum liegen: Garmisch-Partenkirchen in der Vollkasko, das Ostallgäu in der Teilkasko. Gründe nennt der GDV nicht; auf Platz 3 der Teilkasko folgt mit Rottal-Inn ein Landkreis in Niederbayern.
Wer in einer dauerhaft hoch eingestuften Region wohnt, holt die Ersparnis deshalb eher über Tarifwahl, Selbstbeteiligung und Werkstattbindung als über die Einstufung selbst.
Häufige Fragen zu den Regionalklassen
Wo finde ich die Regionalklasse meines Bezirks?
Der GDV bietet eine kostenlose Online-Abfrage nach Zulassungsbezirken an. Auch in deinem Versicherungsschein oder der Beitragsrechnung ist die Einstufung oft ausgewiesen.
Wie viele Regionalklassen gibt es?
In der Kfz-Haftpflicht 12, in der Vollkasko 9 und in der Teilkasko 16. Klasse 1 ist jeweils die günstigste; laut GDV entspricht der Bundesdurchschnitt den Klassen 6, 4 und 7.
Gelten die Regionalklassen für alle Versicherer?
Die GDV-Einstufung ist eine unverbindliche Orientierung. Die Versicherer können sie für ihre Tarife nutzen, gewichten sie aber unterschiedlich – deshalb lohnt der Tarifvergleich gerade nach einer Umstufung.
Gilt der Wohnort oder der Arbeitsort?
Der Wohnort, genauer: der Zulassungsbezirk, in dem das Auto auf den Halter angemeldet ist. Wo du täglich fährst oder arbeitest, spielt für die Einstufung keine Rolle.
Kann ich gegen meine Regionalklasse vorgehen?
Nein, die Einstufung ergibt sich aus der Schadenstatistik deines Bezirks. Steigt dadurch dein Beitrag, kannst du aber innerhalb eines Monats nach der Mitteilung kündigen und zu einem günstigeren Versicherer wechseln.
Werden die Klassen jedes Jahr neu berechnet?
Ja, der GDV wertet die Schadenbilanzen einmal im Jahr neu aus. Für 2027 hat er die neuen Werte am 9. September 2026 veröffentlicht; die meisten Bezirke behalten ihre Einstufung.
Ändert ein Umzug sofort meine Prämie?
Nur wenn du in einen Zulassungsbezirk mit anderer Regionalklasse ziehst. Dann gilt laut Musterbedingungen ab der Ummeldung bei der Zulassungsbehörde die neue Regionalklasse – nach oben wie nach unten. Ein Umzug innerhalb desselben Bezirks ändert an der Regionalklasse nichts.
Welche Großstadt hat die schlechteste Regionalklasse?
Unter den Großstädten der GDV-Übersicht schneidet Berlin am schlechtesten ab: In der Haftpflicht teilt es sich Klasse 12 mit Essen und Wiesbaden, hat aber den höchsten Index; in Vollkasko (Klasse 9) und Teilkasko (Klasse 12) liegt es allein vorn. Die bundesweit schlechteste Haftpflicht-Bilanz hat Offenbach.
Warum ist meine Teilkasko-Klasse so hoch, obwohl hier wenig passiert?
Die Teilkasko bewertet Diebstahl, Hagel, Sturm und Wildunfälle. Ein schweres Hagelereignis kann die Teilkasko-Bilanz eines Bezirks deutlich nach oben treiben – unabhängig vom Unfallgeschehen.
Gibt es Regionalklassen auch für Motorräder?
Ja, der GDV veröffentlicht eine eigene Regionalstatistik für Krafträder. Sie unterscheidet 38 Regionen statt 413 Bezirke und nennt Index und Klasse für Haftpflicht, Voll- und Teilkasko.
Ab wann gelten die Regionalklassen 2027?
Der GDV hat sie am 9. September 2026 veröffentlicht. Für Neuverträge können die Versicherer sie sofort nutzen, für bestehende Verträge ab dem nächsten Versicherungsjahr – bei den meisten Verträgen ab dem 1. Januar 2027.
Quellen & weiterführende Informationen
- GDV – Regionalklassen 2027 nach Bundesländern, Länderseiten mit allen Zulassungsbezirken
- GDV-Medieninformation zu den Regionalklassen 2027 – Eckzahlen, Extremwerte und Großstadt-Tabelle
- GDV: Regionalklassen kurz erklärt – was in die Einstufung einfließt
- GDV-Regionalstatistik für Krafträder – Indizes und Klassen für Motorräder
- Die Versicherer – Kostenlose Regionalklassen-Abfrage nach Zulassungsbezirk
- § 40 VVG – Kündigungsrecht bei Beitragserhöhung
Fazit: Wohnort kostet – Vergleich spart
Die Regionalklassen sind der Preisfaktor, den du am wenigsten steuern kannst: Sie hängen an der Schadenbilanz deines Zulassungsbezirks. Umso wichtiger ist, die Faktoren zu optimieren, die du in der Hand hast – Tarif, Fahrerkreis, Selbstbeteiligung und Zahlweise.
Behalte die jährliche Neueinstufung im Blick: Wenn der GDV die neuen Regionalklassen veröffentlicht – die Werte für 2027 kamen am 9. September 2026 – und deine Prämie steigt, ist bis zum 30. November genug Zeit für einen gründlichen Wechsel-Check.
Hinweis: Indexwerte und Beispiele beziehen sich auf die GDV-Regionalstatistik für 2027 vom 9. September 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine individuelle Beratung. Stand: Oktober 2026.

